Weltgeschehen

Belarussische Oppositionsführerin Tichanowskaja warnt vor jeglichen Geschäften mit Minsk

Published on September 22, 2026 at 00:59

Die belarussische Oppositionsführerin Tichanowskaja hat angesichts eines möglichen Düngemittelabkommens zwischen den USA und Belarus vor jeglichen Handelsvereinbarungen mit Minsk gewarnt. "Jedes Geschäft mit dem Regime ist mit großen Risiken verbunden", sagte sie. — Fabrice COFFRINI / AFP
Die belarussische Oppositionsführerin Tichanowskaja hat angesichts eines möglichen Düngemittelabkommens zwischen den USA und Belarus vor jeglichen Handelsvereinbarungen mit Minsk gewarnt. "Jedes Geschäft mit dem Regime ist mit großen Risiken verbunde

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat angesichts eines möglichen Düngemittelabkommens zwischen den USA und Belarus vor jeglichen Handelsvereinbarungen mit Minsk gewarnt. "Jedes Geschäft mit dem Regime ist mit großen Risiken verbunden", sagte Tichanowskaja am Montag der Nachrichtenagentur AFP in New York, wobei sie sich auf die Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko bezog. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mitgeteilt, Washington arbeite an einem "umfassenden" Abkommen mit Belarus über den Kauf von Kalisalz.

Es sei jetzt "nicht der richtige Zeitpunkt für Handelsgeschäfte mit dem Regime", führte die im Exil lebende belarussische Oppositionspolitikerin aus. Dies sei so lange der Fall, wie "sämtliche Einnahmen aus dem Kali-Geschäft in die Unterdrückung und die Unterstützung der russischen Kriegsmaschinerie fließen". Sie betonte jedoch ihre Überzeugung, dass die USA "wissen, wer Lukaschenko ist", und dass Trump wisse, was er tue.

Tichanowskaja äußerte sich am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Zuvor hatte Trump sich zu dem geplanten Düngemittel-Deal mit Belarus geäußert. "Der Preis wäre deutlich niedriger als das, was wir heute an Kanada zahlen", erklärte Trump am Montag in seinem Onlinedienst Truth Social. Dies sei eine "sehr gute Nachricht für unsere Bauern und Viehzüchter".

Kalisalze wie Kaliumchlorid sind ein wichtiger Bestandteil von Düngemitteln. Die USA importieren nahezu ihren gesamten Bedarf an Kalisalz. Fast 80 Prozent der Einfuhrmenge stammte im Jahr 2024 nach Angaben der US-Behörden aus Kanada, elf Prozent aus Russland und vier Prozent aus Belarus. Trump hat mit seiner aggressiven Wortwahl und seiner Zollpolitik gegenüber Kanada das Verhältnis zum Nachbarland erheblich verschlechtert.

Russlands Einmarsch in der Ukraine im Jahr 2022 hatte die Preise für Kalisalz auf dem Weltmarkt in die Höhe schnellen lassen. Zwar sind sie seither etwas gesunken, bewegen sich aber weiterhin auf hohem Niveau.

Der seit 1984 in Belarus autoritär regierende Staatschef Lukaschenko ist ein enger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Russland hatte zu Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 das belarussische Territorium als einen seiner Ausgangspunkte für die Invasion in der Ukraine genutzt. Im vergangenen Jahr stationierte Moskau zudem seine neuartige atomwaffenfähige Hyperschallrakete Oreschnik in Belarus.

Tichanowskaja war 2020 bei der Präsidentschaftswahl in Belarus angetreten. Nach dem von massiven Betrugsvorwürfen überschatteten Urnengang wurde Lukaschenko zum Sieger erklärt, es kam zu Massenprotesten. Zahlreiche Oppositionelle gingen aus Furcht vor Repressalien ins Exil, darunter auch Tichanowskaja. Der Westen verhängte 2020 Sanktionen gegen Belarus.

kas

Latest stories