Maennig: "Leider keine Mehrheit für Olympia in Berlin"
Ruder-Olympiasieger Wolfgang Maennig glaubt fest an die Chancen einer deutschen Olympiabewerbung - wenn sich der DOSB gegen seine Heimatstadt Berlin entscheidet. "Für mich als Berliner waren Olympische Spiele in meiner Heimatstadt immer mein Lebenstraum. Aber ich bin nicht nur Olympia-Fan, sondern auch Demokrat", sagt der renommierte Sportökonom im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) und erläutert: "Wir haben leider keine Mehrheit für Olympische Spiele in Berlin."
Maennig (66) ergänzt vor der Entscheidung auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 26. September in Baden-Baden: "Wenn sich der DOSB für Berlin entscheidet, wird es nächstes oder übernächstes Jahr eine Volksabstimmung geben - mit einem fast sicheren Ergebnis. Dann hat Deutschland keinen Bewerber mehr und eine tolle Chance ist vertan."
Die Hauptstadt tritt gegen die Bewerbungen aus München und Köln/Rhein-Ruhr an. Die DOSB-Delegierten wählen den deutschen Kandidaten, die meisten Stimmen haben dabei die olympischen Fachverbände. Für Bewerbungsexperte Maennig kann die Entscheidung nur zwischen München und NRW fallen, das er als "europäisches Kraftzentrum" bezeichnet. "Dort gibt es Infrastruktur in einzigartiger Dichte: Straßen, Autobahnen, Kanäle, Schienenverkehr, bis hin zu Universitäten; und eine sportbegeisterte Bevölkerung."
München dagegen sei "international bekannt als Weltstadt mit Herz und Fröhlichkeit", sagt Maennig: "Oktoberfest, Bayern München, ein mediterranes Lebensgefühl und, und, und. Dazu das olympische Erbe." Nach dem Attentat von 1972, so Maennig, herrsche in der olympischen Familie die Meinung, München habe "eine neue Chance für gute Spiele verdient".
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will 2029 die Sommerspiele 2036 vergeben. Der DOSB hat auch die Spiele 2040 oder 2044 im Blick, doch Maennig glaubt, schon für die Ausgabe nach Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 stehen die Chancen so günstig wie lange nicht.
"In München und NRW gab es zwei äußerst erfolgreiche Volksabstimmungen. So etwas ist zum ersten Mal in der Geschichte von Olympischen Sommerspielen passiert", sagt Maennig. "Wir haben statistisch ausgewertet, was die Erfolgsdeterminanten sind. Da hat Deutschland fast alles", ergänzt der Professor für Wirtschaftswissenschaften der Universität Hamburg: "Aber es war immer die mangelnde Zustimmung der Bevölkerung, die uns wie ein Stein am Bein gehangen hat."
Zuversichtlich ist Maennig aber auch beim Blick auf die internationale Konkurrenz: "Ironisch formuliert: 'Man muss nicht exzellent sein, man muss nur der Beste sein'", sagte er: "Die anderen Bewerber haben auch Probleme. Indien zum Beispiel hat ein Doping- und Korruptionsproblem und keine hinreichenden sportlichen Erfolge. Ohne viele Medaillenerfolge der Athletinnen und Athleten des Ausrichterlandes wird nie die Stimmung aufkommen, für welche die Spiele stehen."
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