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Industrie und Gewerkschaften besorgt angesichts neuer Pisa-Ergebnisse

dpa/dpa/picture-alliance / Uli Deck Schüler mit Tablets

Die deutsche Industrie und der Gewerkschaftsbund sehen in den Pisa-Ergebnissen ernsthaften Anlass zur Sorge. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, verwies vor allem auf die deutschen Unternehmen, in denen Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen benötigt würden, um "einen guten Start ins Berufsleben zu finden". Deutschland dürfe sich "mit durchschnittlichen Ergebnissen nicht zufrieden geben", erklärte er am Dienstag.

Nötig sei eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern, forderte Dercks. Für die Betriebe seien bundesweite und verbindliche Bildungsziele und Standards wichtig. Gleichzeitig seien für die Unternehmen Eigenschaften wichtig, welche die Pisa-Studie der OECD nicht abbilde, bemerkte Dercks, nämlich Leistungsbereitschaft, Disziplin und Belastbarkeit. Hier gebe es ebenfalls "erhebliche Defizite".

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Elke Hannack, forderte eine gemeinsame Bildungsstrategie von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialpartnern. Sie warnte zugleich vor "quälenden Jahren des föderalen Gegeneinanders". Hannack beklagte zudem, dass Deutschland bei der sozialen Auslese im Bildungssystem einen "traurigen Spitzenplatz" belege. Mit diesem Befund dürfe sich Deutschland nicht zufrieden geben.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellte am Dienstag eine neue Pisa-Studie vor. Demnach schnitten Mittelstufenschüler in Deutschland in den drei Kompetenzfeldern Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften schlechter ab als beim bei der vorigen Pisa-Studie von 2015.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sah positive und negative Aspekte. Erfreulicherweise habe sich die Leistung der deutschen Schüler gegenüber dem OECD-Durchschnitt stabilisiert, erklärte ZDH-Präsident Peter Wollseifer. Die Schüler erzielten darüber hinaus überdurchschnittliche Ergebnisse in Mathematik und Naturwissenschaften. Der steigende Anteil leseschwacher Schüler an anderen Schulen als den Gymnasien bereite ihm dagegen "Sorge".

Der deutsche Hightechbranchenverband Bitkom forderte als Konsequenz mehr Kompetenzen des Bundes in der Bildungspolitik. Dieser solle in die Lage versetzt werden, bundesweit gültige Mindeststandards vorzugeben, erklärte Bitkom-Präsident Achim Berg. "Bislang vergehen Jahrzehnte, bevor bildungspolitische Reformen greifen." Derzeit richteten sich deutsche Schulen "auf einem Platz im Mittelfeld ein". Das sei künftig zu wenig.

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