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Jedes zweite Hähnchen im Einzelhandel mit Durchfallerreger befallen

dpa/AFP/Archiv / Karl-Josef Hildenbrand Huhn auf einem Hof in Bayern

Rund jedes zweite Hähnchen im Lebensmitteleinzelhandel ist mit dem Durchfallerreger Campylobacter befallen. Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium in einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage erklärte, enthielten bei gut 400 Proben von Frischfleisch im Einzelhandel im Jahr 2017 insgesamt 51,8 Prozent den Erreger. Im Jahr 2011 waren es demnach 31,6 Prozent. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte in der "Rheinischen Post", die Bundesregierung müsse für mehr Hygiene auf den Schlachthöfen sorgen.

Bei Untersuchungen hunderter frischer Hähnchenschenkel im Jahr 2014 wurden 54 Prozent kontaminierter Proben entdeckt, wie aus der Antwort weiter hervorgeht. Direkt an den Schlachthöfen fand das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Jahr 2017 sogar bei 78,8 Prozent der Masthähnchen den Durchfallerreger. Hier wurde die Halshaut der Tiere untersucht. Demnach war die Belastung 2011 mit 40,9 Prozent ebenfalls deutlich geringer gewesen.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts führt Campylobacter zu 60.000 bis 70.000 gemeldeten Erkrankungen pro Jahr. Vor allem Kinder, Ältere und Schwangere sind häufig betroffen.

"Der Bundesregierung scheint es egal zu sein, dass immer mehr Durchfallerreger im Fleisch zu finden sind und die Zahl der Infektionen steigt", sagte Hofreiter der "Rheinischen Post". Sie lege ihre schützende Hand lieber über die Agrar- und Schlachtindustrie, kritisierte er. Die Bundesregierung müsse sich in Brüssel dafür einsetzen, "dass die Grenzwerte für Keimbelastung deutlich nachgebessert werden", sagte der Grünen-Fraktionschef.

Auch der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, betonte, entscheidend sei, dass Schlachthäuser besser kontrolliert und zu verbesserten Hygienemaßnahmen verpflichtet würden.

Die Sprecherin für Verbraucherschutz der Linken-Bundestagsfraktion, Amira Mohamed Ali, führt die Belastung des Fleisches mit den Krankheitserregern auf das Wirtschaftssystem zurück, "in dem immer mehr Tiere in immer kürzerer Zeit produziert und geschlachtet werden sollen". Die Lebensmittelsicherheit werde dem Profit untergeordnet.

Die Verantwortung dürfe nicht auf die Verbraucher abgeschoben werden. "Die Menschen aufzufordern, ihr Hähnchenfleisch gut durchzubraten ist zwar ein richtiger Hinweis, ist aber keine Lösung für das zugrundeliegende Problem", erklärte Mohamed Ali. "Wir brauchen eine Gesetzesinitiative für mehr Platz und Hygiene in den Tierställen."

Der Bundesverband des Lebensmittelhandels wies darauf hin, dass die in den USA zulässige Methode, Keime auf dem Fleisch durch Chlor zu beseitigen, in Europa nicht erlaubt sei. Auf Geflügelfleisch würden deshalb Verzehrhinweise gegeben.

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